Europapokal 1988: Wer holt den Titel in Spanien?

Endlich ist es so weit, das Highlight des Jahres im Harrington Rugby steht an: Der Europapokal 1988 steht in den Startlöchern. Ausgetragen wird er dieses Mal in Spanien, als Teilnehmer der britischen Inseln ist Meister Flower of Montrose dabei. Die anderen sieben Vereine haben sich über verschiedene regional ausgetragene Wettbewerbe für die Teilnahme qualifiziert. Zusätzlich ist der Titelverteidiger SK Paranoia Plovdiv aus Bulgarien gesetzt.

Die teilnehmenden Teams befinden sich alle bereits seit einer Woche im gemeinsamen Trainingslager in Madrid, wo heute um Punkt 12 Uhr die Auslosung der Gruppenspiele stattfand. Bevor wir zu den Partien kommen, wollen wir einen kurzen Blick auf die teilnehmenden Clubs und ihre Chancen auf den Titel werfen.

Flower of Montrose (Schottland)

Nachdem im vergangenen Europapokal Magic Carmarthen für ein blamables Ausscheiden in der Vorrunde sorgte, ist dieses Jahr Meister Flower of Montrose aus Schottland für die Britischen Inseln am Start. Das Team von Trainer Hamish MacDonald of Clanranald ist in einer bestechenden Form und steht aktuell schon wieder auf Platz 1 der Tabelle. Wir drücken natürlich alle die Daumen, dass die Expert*innen Recht behalten und der Favorit den Titel für Magic Britain holt.

SK Paranoia Plovdiv (Bulgarien)

Damals recht überraschend holte Paranoia beim letzten Mal den Europapokal und gilt auch nun wieder als ein Favorit. Allerdings wurde der Sieg damals von politischen Verwerfungen begleitet, denn der damalige Kicker & Passer des Teams, Iva Jankova, setzte sich vor dem Finale nach England ab und beantragte hier politisches Asyl. Den Gerüchten zufolge sollen Spielerinnen von Magic Carmarthen ihr dabei geholfen haben, auch wenn diese Beschuldigungen bis heute nicht belegt wurden.

Seitdem steht der Verein aus dem bulgarischen Hinterland unter genauer Beobachtung von Moskaus politischer Führung, und es dringen kaum noch Informationen durch den Eisernen Vorhang hindurch. Aufsehen erregte im Winter allerdings die Verpflichtung von Rusher Artjom Sorokin, der den umgekehrten Weg wie Jankova ging und sich aus seinem Geburtsland England in die Heimat seiner Eltern absetzte und heute die russische Staatsbürgerschaft innehat.

ETSV Regensburg (Bundesrepublik Deutschland)

Der ETSV Regensburg gehört zwar zu den traditionsreichsten Clubs aus der BRD, hat allerdings ein verstaubtes Image. Die besten Zeiten liegen lange zurück und so kam die Qualifikation für den Europapokal doch einigermaßen überraschend. Auch der Stil von Trainerin Lilly van Beethoven gilt als konservativ und wenig mitreißend, weshalb ein Überstehen der Vorrunde eine echte Überraschung wäre.

Føroyingar Rugby (Färöer)

Der Exot unter den teilnehmenden Vereinen kommt in diesem Jahr von den Färöern – und das obwohl die wenigen Einwohner ganz verrückt nach Harrington Rugby sind. Da man sich in der Qualifikation aber gegen die traditionell starken Teams aus Skandinavien durchsetzen konnte, gilt der Club bei manchen Expert*innen mittlerweile als Geheimfavorit. Das ist dann aber vielleicht doch etwas weit hergeholt, denn nur ein einziger Spieler verfügt überhaupt über internationale Erfahrung.

RC Divine Gergovie (Frankreich)

Dass der französische Meister mal nicht aus Paris kommt, ist schon einige Jahre her, auch wenn Gergovie in den vergangenen Jahren immer weit oben in der Tabelle zu finden war. Nun ist das Team angetreten, um mit dem Gewinn eines internationalen Titels den Rugbysport in Frankreich wieder populärer zu machen, denn in den letzten Jahren litt der Sport unter Zuschauerschwund und Nachwuchsmangel. Bekannte Namen sucht man im aktuellen Team zwar vergeblich, aber die Franzosen zu unterschätzen, wäre ein grober Fehler.

RK Kosmos Kyjiw (Ukraine)

Der Sieger der sowjetischen Qualifikation schlug im Finale mit Plovidiv den Titelverteidiger des Europapokals, ist ansonsten aber ein wenig beschriebenes Blatt. Im Wettbewerb gilt das Team des russischen Trainers Greshnev Igor Larionovich daher als krasser Außenseiter.

Unione Sportiva Roma (Italien)

Das italienische Schwergewicht reist mit einem Ensemble voller Stars an – allerdings knirscht es dort immer wieder ganz gewaltig im Gebälk. Dass ein Alessandro Locatelli den Club wohl im Streit mit David Mesekela Richtung Southampton Rovers verließ, ist da nur eine Anekdote, aber Trainer Stijn Borgelink soll dem Vernehmen nach alle Hände voll zu tun haben, seine Stars bei Laune zu halten, sodass das Training manchmal etwas zu kurz kommt. Trotzdem rechnet ganz Italien mit dem Titel im Europapokal.

SC Biel Belzebubs (Schweiz)

Die Teufel aus der Schweiz gelten nicht wenigen Rugbyfans als das personifizierte Böse, denn ohne das Geld von Sponsor und Clubpräsident Emil Huttenlocher würde der Verein wohl immer noch in der alpenländischen Provinz spielen. Huttenlocher, dem nicht nur der Brausekonzern Flying Cows sondern auch der gleichnamige Club aus Köln gehört, protzt und provoziert gerne mit seinen Millionen, was seinen Beliebtheitsgrad nicht gerade steigert. Alles andere als der Titel wäre eine schwere Niederlage für die Schweizer*innen.

Die Auslosung, in der die spanische Verbandspräsidentin Isabel Maria Ferrandis als Glücksfee agierte, ergab folgende Partien, die am Sonntag jeweils um 20 Uhr ausgetragen werden:

Unione Sportiva Roma – Føroyingar Rugby
ETSV Regensburg – SC Biel Belzebubs
RK Kosmos Kyjiw – Flower of Montrose
RC Divine Gergovie – SK Paranoia Plovdiv

In einer ersten Stellungnahme freute sich Montrose-Trainer über den Gegner aus der Ukraine: „Das Team verfügt über eine starke Defense, aber ich denke, wir haben Mittel und Wege, diese zu knacken. Es wird ein intensives Spiel, aber ich freue mich darauf, dass es endlich losgeht! Wir werden die verbleibenden Stunden nutzen und uns akribisch vorbereiten!“

Mehr zu den einzelnen Teams kann man auf den Sonderseiten zum Europapokal auf der Brooms’n’Joy-Seite nachlesen:

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