Ye Old Broughtonians!

von Samantha Ridley-Rhynes

Ende Juni fand in Harrington Hall das alljährliche Sommerfest des Ehemaligenverbands „Board of Broughtons“ statt. Die Alumni der Broughton Academy laden dabei einmal im Jahr zu einer sommerlichen Gartenparty, bei der sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand geben. Dabei werden fleißig Spenden gesammelt. 

Dieses Jahr fand das große Fest erstmals seit Jahrzehnten wieder direkt auf dem Gelände von Harrington Hall statt – das Ministerium hatte den Ort lange für externe Besucher*innen und größere gesellschaftliche Anlässe geschlossen. Wenig überraschend also, dass dieses Jahr eine entsprechend hohe Summe zusammengekommen ist. 

Das Geld wird zweckgebunden fließen, denn die “Old Broughtonians”, wie sich die Board Members selbst nennen, haben sich dieses Jahr zur Aufgabe gemacht, entgegen des aktuellen Zeitgeists vor allem in die Pflege der alten und ehrwürdigen Traditionen des Ortes zu investieren. 

“Wir haben einen wundervollen Code of Conduct, der unsere jungen Anwärter und Anwärterinnen an Ehre, Pflicht und Vorbildfunktion erinnert – an all das, was mit dem Privileg einhergeht, an diesem heiligen magischen Ort ausgebildet zu werden. Aus jungen Menschen werden in Harrington Hall herausragende Magier*innen geformt. Wir wollen, dass sie auch zu herausragenden, besonderen Menschen werden. Menschen, die unsere Gesellschaft vielleicht einmal maßgeblich gestalten werden. Was sie hier lernen, wird ihren Charakter stärken,” formulierte das Board seine Ziele schon im März 1987 offensiv und ambitioniert in seiner Mitgliederrundschau.

Federführend dabei ist Boardmember Frederic Winterbottom, der heute dem Daily Observer Rede und Antwort steht. 

Daily Observer: Mr. Winterbottom, das Sommerfest an der Broughton Academy war ein voller Erfolg und hat eine ordentliche Summe an Spenden eingebracht. Was stand dieses Jahr auf dem Programm?

Mr. Winterbottom: Wir haben eine Auktion auf die Beine gestellt. Eine befreundete Künstlerin, Angela Saint-Clementine, hatte uns dafür einige ihrer Bilder zur Verfügung gestellt, die wir versteigert haben. Sehr schöne Aquarelle, vor allem schottische Landschaften. Daneben gab es natürlich das Übliche, unser traditionelles Kuchenbuffet, selbst gemachte Marmelade, Ringreiten für die Kinder, und so weiter. 

Das Board hat seinen Mitgliedern schon im Frühjahr ein ambitioniertes Förderkonzept für die Zukunft der Broughton Akademie vorgelegt. Bedenkt man die dort angekündigten Investitionen, haben Sie wohl schon damals mit enormen Zuspruch für Ihre Vision gerechnet?

Mr. Winterbottom: Das ist korrekt. Wir haben mit unserem Konzept vielen Ehemaligen offenbar aus dem Herzen gesprochen. Schon bei der ersten Vorstellung unserer Ideen war die Begeisterung groß. Die Summe, die wir aber letztlich sammeln konnten, sprengt noch einmal all unsere Vorstellungen. Wir sind wirklich stolz. 

Sie sprechen in Ihrer Mitgliederrundschau über einen Zeitgeist. Ist es das, was die Menschen so spendabel macht? Eine Reaktion auf Veränderung oder, wie Sie es schreiben, auf den “Zeitgeist”?

Mr. Winterbottom: Das können natürlich nur die Unterstützer selbst für sich beantworten. Ich mag über ihre Beweggründe nicht spekulieren. Aber sicherlich steht unser Konzept für etwas Stabiles, etwas Bleibendes. Wir leben in turbulenten Zeiten und manchmal, wenn es allzu unübersichtlich und laut wird, vergessen wir manchmal, wer wir eigentlich sind, wo wir herkommen und wofür wir stehen wollen. Tugend sollte nicht zu einem scheinbar antiquierten Ausdruck längst vergangener Zeiten verkommen. Die Idee unserer magischen Gesellschaft sollte nicht beliebig werden. Das wollen wir auch in der Ausbildung an der BAC wieder stärker vermitteln. 

Eine erste Investition soll die Neuauflage des alten “Code of Conduct” werden?

Mr. Winterbottom: Das ist korrekt. Früher war der Code of Conduct das erste, was die Anwärter*innen auf der Schulbank auswendig gelernt haben. Das Curriculum sah damals noch vor: Charakterformung vor Talentformung. Erst lernen wir Verantwortung, dann Kämpfen! [Lachen]. Wir wollen, dass diese und andere Traditionen nicht untergehen. Sie sollen wieder Teil des allgemeinen Selbstverständnisses werden. 

Ihr Konzept sieht einige Veränderungen vor. Wie hat das die Schulleitung der Akademie aufgenommen? Ist das alles überhaupt leistbar?

Mr. Winterbottom: Wir sind dankbar, dass die Leitung der Schule unsere Ideen unterstützt und versucht in den neuen Lehrplan zu integrieren. Wir haben viele aufregende und begeisterte Gespräche mit Kenneth Peacock und seiner Nummer zwei, Professor Spencer, geführt. Es war immer eine freundschaftliche und inspirierende Atmosphäre. Unsere Ideen und Ziele decken sich. Wir alle wollen das Beste für die altehrwürdigen Hallen von Harrington Hall. 

Neben all den Traditionen hat es Ihnen scheinbar auch der Sport angetan?

Mr. Winterbottom: Ja, uns liegt die physische Ertüchtigung der Auszubildenden natürlich am Herzen. Wir haben den Eindruck, dass das in den letzten Jahren leider etwas zu kurz gekommen ist. Wir haben zusammen mit Mr. Spencer teils erhebliche Mängel in der Ausstattung der praktischen Unterrichte festgestellt. Mängel, die wir zum nächsten Schuljahr hin beseitigen werden. Es kommt ein neuer Hindernisparcours. Das Boxen soll wieder gelehrt werden. Und damit uns keiner nachsagen kann, wir verschließen uns vor der Moderne [wieder Lachen], werden wir in der Turnhalle dieses Tennis anbieten. 

Auch das Rugbyfeld von Harrington Hall soll saniert werden, wie man hört. 

Mr. Winterbottom: Dabei handelt es sich ja nicht um irgendeinen Rugby Pitch, sondern um die Geburtsstätte dieses großartigen Sports! Es ist eine Schande, dass das Feld so lange in diesem schlechten Zustand war. Das wollen wir nun ändern. Wir wollen wieder eine Schulmannschaft, wir wollen wieder Advents-Rugby. Bis zum Läuten der legendären Glocke. Das wird übrigens auch dem derzeit angeschlagenen britischen Rugby helfen. Das ist unser Sport, wir sollten ihn uns nicht nehmen lassen! Er ist Teil unserer magischen Identität. 

Harrington Hall stand einige Jahre nicht als Ausbildungsstätte für unsere Anwärter*innen zur Verfügung. Nichtsdestotrotz setzen Sie und das Board sich für diese Schule ein, obwohl Sie selbst nie in Harrington Hall Ihre Ausbildung absolvieren konnten. Wieso?

Mr. Winterbottom: Nun, es gibt wohl nichts, was ich mehr bedauere, als dass ich hier nicht unterrichtet wurde. Diese altehrwürdigen Hallen atmen doch Geschichte! Hier wurden die ersten Wächter*innen unserer magischen Werte ausgebildet. Hier wurde Magie in einem ganz besonderen Verständnis gelehrt, einem Verständnis, das heute die gesamte magische Welt definiert. Dieser Ort ist groß. Bedeutend. Und er eint uns. Uns alle, die wir unser Leben oder zumindest eine Zeit unseres Lebens dieser hehren Sache verschrieben haben. In Stolz und Bedeutung und Hingabe. 

Es heißt, es könnte dem Board bald noch ein weiterer Geldsegen ins Haus regnen. Denn Sie besitzen – so kurios es auch klingen mag – Rennpferde, die in Ascot laufen? Wie kommt das?

Mr. Winterbottom: Auch das ist korrekt. Mit dem Mord an Lord Cedric Broughton –  er wurde 1970 zu einem der ersten prominenten Opfer der radikalen Awakening-Bewegung – ist ein großer Teil seiner Besitztümer dem Board überantwortet worden. Dazu gehören auch Rennpferde. Tinkerbell’s Heel und Maximiser. Mehrfache Ascotgewinner. Die beiden sind mittlerweile erfolgreiche Zuchttiere, aber auch einige der Nachkommen befinden sich in unserem Besitz. Wer weiß, vielleicht kann eines davon in diesem Jahr wieder siegen? Ich werde auf jeden Fall in Ascot vorbeischauen.

Und die Preisgelder? 

Mr. Winterbottom: Die fließen in unsere Arbeit. Natürlich! Meine jüngste Tochter Piper hat dieses Jahr auch unsere obligatorische, und ich möchte sagen recht bekannte, “Gardentown Heights After Race Party” übernommen und sogleich unter das Motto der Academy gestellt: Hence Hope Shines Forth! So heißt übrigens auch unser eigenes Pferd. Shining Hope. Leider kein Gewinner. Eher ein kleiner Luxus. Meine ältere Tochter Harriette züchtet und reitet selbst. Sie lebt quasi für Ascot.  

Bevor wir komplett abschweifen, Mr. Winterbottom, noch eine letzte Frage: Es gab zuletzt große Aufregung rund um die Broughton Academy. Was fällt Ihnen ein, wenn Sie “Rufus-Wellington-Stiftung” hören? 

Mr. Winterbottom: Ah, natürlich. Sie spielen auf die Ablehnung einer neuen Lehrbuchspende an. Diese Entscheidung musste schweren Herzens getroffen werden. In enger Abstimmung mit dem Ministerium und uns in Funktion eines quasi neuem Ethik- und Ältestenrats. Die Wellington-Stiftung steht seit Winter 1986 unter Beobachtung des Ministeriums. Die von ihr spendierten Lehrbücher erfüllten nach genauer Prüfung nicht die Kriterien, die wir an Lehrbücher stellen. Das darin vertretene Magieverständnis ist eine sehr moderne Auslegung und weicht zu sehr vom legalen Magiekanon ab. Die Bücher wurden konfisziert. Vermutlich haben wir es hier mit dem Versuch einer subversiven Unterwanderung zu tun. Wie sehr die Wellington-Stiftung dafür verantwortlich gemacht werden kann – das wird ein Untersuchungsausschuss feststellen müssen. So viel aber möchte ich anmahnen: Die weltweite Bedrohung durch das Infragestellen und Aufweichen fester und bewährter magischer Regeln ist vermutlich eine weit größere Gefahr – für Magier*innen und Nicht-Magier*innen – als alle Radikalen der Awakening-Bewegung zusammen. 

Hand aufs Herz, wie viel Einfluss nimmt Ihr Boad bei den Entscheidungen an der Academy wirklich? 

Mr. Winterbottom: [lacht und reicht mir die Hand] Wir hatten nur noch eine Frage ausgemacht! Ich danke Ihnen und Ihrer Zeitung für das wundervolle Gespräch. Ich hoffe wir sehen uns in Ascot!

Wir danken auch.

3 Kommentare zu “Ye Old Broughtonians!”

  1. Alles so ein Sumpf da. Der alte Lord Broughton würde sich im Grab umdrehen. Statt Weintrinken und mit seinem charmanten Lächeln große Worte zu tönen, sollte sein Neffe sich lieber dran machen, endlich so richtig aufzuräumen an der Akademie. 80% der Personen in Harrington Hall gehören da gar nicht hin. Das sieht man doch schon an dem Sieg der Freedom Front im Wahlkreis Harrington. Da wählen Anwärter und Angestellt einer der bedeutendsten magischen Einrichtungen Terroristen. Etwas anderes sind diese Freedom Front Scharfmacher doch nicht. Keinen Deut besser als die Awakening-Bewegung. Im auf vielen Ebenen herausragenden Artikel „Time does not wait“ steht das sehr gut beschrieben. Was gerade passiert ist so viel gefährlicher für unsere magische Gesellschaft als es die paar Radikalen in der Awakening Bewegung je waren. Die Freedom Front macht nicht mal ein Geheimnis daraus, dass sie unsere Gesellschaft auflösen und abschaffen will. Nicht verändern, wie die Awakening Bewegung, die sicher zu weit gegangen ist aber viele gute Ansätze vertreten hat. Die Freedom Front will uns abschaffen! Nicht mehr lange und alle mit einem magischen Stammbaum über mehr als zwei Generationen werden abgeholt. Wie das geht, das haben diese radikalen ja aus der Ersten Welt gelernt. Diese neuen Magier bringen die Zerstörungskraft, den Menschenhass, all das Barbarische der nicht magische Welt in unsere Gesellschaft. Sie unterwandern uns nicht einmal. Sie machen das ganz offen. Und wenn sich jemand ihnen in den Weg stellt, wird plötzlich die Awakening-Keule geschwungen. Man darf schon gar nichts mehr sagen und wird mundtot gemacht. Seit 1980 machen wir uns selbst klein. Wann dürfen wir endlich wieder zu uns selbst stehen und uns selbst verteidigen?

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