Home Story Takes Thrilling Turn

Am Montag nach den Spielen findet traditionell kein Training statt, nichtsdestotrotz laufen die Vorbereitungen innerhalb der Mannschaften natürlich bereits auf Hochtouren, um sich auf den kommenden Gegner vorzubereiten. Wir durften dabei exklusiv hinter die Kulissen bei Paranoia Plovdiv schauen und haben das Team einen Tag lang begleitet.

Es ist 6 Uhr früh am Montagmorgen, als Hüter Toror Faludy im Frühstücksraum des Hotels auftaucht. Der Ungar war früher Besenkunstflieger und gilt als absolut diszipliniert. „Früher hab ich um diese Uhrzeit schon auf dem Besen gesessen und trainiert. Bei uns geht es in der Regel etwas später los, aber wie heißt es so schön: „Ki korán kel, aranyat lel“ [Anmerkung d. Redaktion: Morgenstund‘ hat Gold im Mund]“, lacht der sympathische junge Mann.

Kurz darauf tauchen auch Trainer Ebbe Lindström und Managerin Janka Velitschkova auf. Die immer noch drahtige 50-Jährige war früher selbst Spielerin bei Plovdiv und gilt in ihrer Heimatstadt in Zentralbulgarien als Volksheldin. Sie hält seit über zehn Jahren die Zügel im Verein in der Hand und kümmert sich um alles. „Wir haben im Vergleich zu den Teams aus Russland nicht das ganz große Geld“, gewährt sie Einblicke. „Aber bevor wir zum Europapokal aufgebrochen sind, gab es einen Empfang im Rathaus mit den Parteifunktionären, die uns viel Glück gewünscht haben. Anschließend gab es sogar ein großes Feuerwerk. So viel Aufmerksamkeit sind wir gar nicht gewohnt.“ Im Winter ist sie großes Risiko eingegangen und hat den teuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte geholt: Treiber Dimitar Filipov Stoichkov. Der junge Bulgare stand auf der Liste von einigen der Topadressen im Quidditch, entschied sich dann aber für Plovdiv. Das ist Velitschkova zu verdanken, wie Trainer Lindström betont: „Sie konnte ihn mit der familiären Atmosphäre überzeugen. Des Geldes wegen ist er sicher nicht hier. Aber hier bekommt er noch die Möglichkeit, sich zu entwickeln, bevor er in einem der großen Klubs mit der Konkurrenz um einen Startplatz kämpfen muss.“ In der heimischen Liga zahlt Stoichkov die Investition bislang zurück, der Klub liegt an der Tabellenspitze – noch vor den großen Teams von Serdica Sofia und Dinamo Lowetsch.

An seiner Seite spielt Luis-Enrique Batistuta. Der Argentinier ist ein Weltenbummler und verfügt über einen immens großen Erfahrungsschatz. Deshalb spielt er für den Trainer auch eine Rolle bei den Analysen der Gegner: „Er kennt sie alle, hat gegen sie schon gespielt. Das hilft sehr“, so Lindström.

Nach und nach tauchen nun die anderen Spieler*innen am Frühstücksbuffet auf. Jägerin Ludmilla Stefanova begnügt sich dabei mit Kaffee. „Mehr geht noch nicht um diese Uhrzeit“, so der kurze Kommentar der Russin. Sie galt in ihrer Heimat einst als großes Talent, war schon früh Kapitän im Schulteam, konnte sich allerdings in der Nationalmannschaft nie durchsetzen.

Ihr Kollege Petar Radev beäugt zunächst kritisch das Buffet. Er muss es wissen, betreibt er doch auch die Fankneipe des Vereins. Diese Verbundenheit mit der Stadt macht ihn zum Fanliebling, neben Sucherin Iva Jankova. Sie gilt als schwierig, davon ist allerdings heute nichts zu spüren. Einer kleinen Hexe, die sich nähert, gibt sie lächelnd ein Autogramm und zaubert zusätzlich noch ein paar bunte Funken in die Luft. Das bringt ihr zwar böse Blicke des Personals ein, aber sie zuckt nur mit den Schultern.

Als Letztes kommt Jäger Schelju Naidenov an den Tisch. Der Spaßvogel des Teams überrascht immer wieder mit ausgefallenen Frisuren. Heute hat er sich für einen Irokesen in Rot und Schwarz entschieden, den Vereinsfarben. Dazu trägt er eine verspiegelte Sonnenbrille. „Das beste kommt immer zum Schluss. Außerdem kann ich die anderen dann gleich fragen, was man hier so essen kann“, erklärt Naidenov und verbeugt sich vor jeder Hauselfe, die er sieht. Die irritierten bis bösen Blicke stören ihn nicht.

Nach dem Frühstück ist zunächst Besenpflege angesagt. Die Spieler*innen sitzen beisammen und bearbeiten ihre Fluggeräte. Andere Teams haben dafür eigene Hauselfen, bei Paranoia ist noch Handarbeit angesagt. „An meinen Besen lassen ich ohnehin niemanden. Ruckzuck fliegt der nur noch rückwärts oder qualmt. Alles schon gesehen!“, erklärt Batistuta, der anschließend mit Lindström und Velitschkova zur Gegneranalyse in einem der Zimmer verschwindet. „Извинете, aber da bleiben wir lieber unter uns“, macht Velitschkova uns die Tür vor der Nase zu.

Die restlichen Spieler haben bis mittags frei und verstreuen sich in alle Winde. Schelju Naidenov macht sich schnurstracks auf den Weg in die Stadt. „Ich geh jetzt schauen, was die Muggel hier so machen. Das finde ich sehr spannend!“ Seine Haare sind mittlerweile blau gelockt inklusive Fönwelle. „Damit falle ich bestimmt nicht auf“.

Zum gemeinsamen Mittagessen lässt sich auch Vereinspräsident Aleko Krastev Zwetanov blicken. Er besitzt noch ein Weingut in Bulgarien und hat den Vormittag über mit verschiedenen Restaurants in der Stadt verhandelt, die Interesse daran haben, seinen Wein zu servieren. „Es waren gute Gespräche“, mehr will er allerdings nicht verraten. „Übers Geschäft redet man nicht!“

Ihm werden gute Beziehungen ins Politbüro nachgesagt, man merkt daher sofort, dass alle darauf achten, nicht negativ aufzufallen. Vor zwei Jahren gab es Gerüchte, dass er in das spurlose Verschwinden eines Treibers aus dem Nachwuchsteam verstrickt gewesen sein soll. „Das sind Ammenmärchen, die der Westen erfindet, um uns in Misskredit zu bringen! Der Spieler Dimitri Lowtschov ist von einem Urlaub im Ural nicht mehr zurückgekehrt. Die Behörden haben die Suche mittlerweile eingestellt, wahrscheinlich wurde er von einem Drachen gefressen. Eine tragische Geschichte“, so der Präsident.

Am Nachmittag stehen Pressetermine auf dem Programm. Vor allem um Naidenov drängen sich die – meist weiblichen – Reporter*innen. Seine Haare trägt er nun in Regenbogenfaben zu einem Zopf gebunden. „Ich übernehme heute die Vertretung für Chico, der leider nicht mehr hier sein kann!“, erklärt er mit einem Grinsen. Gemeint ist Cristiano „Chico“ Almeida von Dragão Porto, der als großer Frauenschwarm gilt, aber bereits die Heimreise antreten musste.

Nicht zu sehen ist dagegen Sucherin Iva Jankova, was bei den Funktionären große Unruhe auslöst, auch wenn man sich uns gegenüber bemüht, das hinter verschlossenen Türen zu behalten. Auch beim Abendessen und dem anschließenden Wellness-Programm des Teams bleibt sie verschwunden. Spät am Abend erfahren wir dann den Grund für ihre Abwesenheit: Sie soll die Gelegenheit genutzt haben, sich nach London abzusetzen, um dort um Asyl zu bitten.

So ganz schön und heil scheint die Welt also auch in Plovdiv nicht zu sein…

Maxwell Jones, Sportredaktion

3 Kommentare zu “Home Story Takes Thrilling Turn”

  1. Diese wilde Hin- und Hergewechsel zwischen Ost und West! Erst wechselt dieser Sorokin die Seite und verrät seine englische Heimta und dann sucht dieses Mädchen Asyl in England.

    Grenzen zu!!!1! Wozu gibt es denn schließlich den Eisern Vorhang?!

    1. Liebe*r Leser*in,

      wir möchten Sie darauf hinweisen, dass wir keine rassistischen, sexistischen oder sonstwie diffamierenden Kommentare in unseren Medien dulden. Das Recht auf Asyl ist ein Grundrecht, zumindest in unserem Land. Gleiches gilt für die Reisefreiheit. Seien Sie froh, dass es Ihnen frei steht, sich dorthin zu bewegen, wo Sie hin möchten.

      Außerdem empfehlen wir – wenn Sie denn schon so „heimatverbunden“ sind, einen Kurs in Rechtschreibung und Grammatik.

      MfG, Daily Observer

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