Broughton Daily First English Newspaper to Print Passages of „All Ansgar! – How I Became a Quidditch Star“.

Schon als kleiner Junge liebte ich es, zu fliegen. Und die Fliegerei liebte mich. Noch bevor ich meinen ersten Zauberspruch aufsagen konnte, flog ich bereits besser als so mancher Erwachsener. Meine Eltern erkannten mein Talent früh und unterstützen mich, wo sie nur konnten. Trotz ihrer beschränkten Möglichkeiten. Mein Spielzeugbesen, mit dem ich wenige Zentimeter über dem Boden schweben konnte, war mein liebstes Spielzeug und ich flog ihn, bis er unter dem Gewicht meines wachsenden Körpers zusammenbrach. Ich war untröstlich. Meine Eltern hatten kein Geld, mir ein neues Modell zu kaufen, eines für größere Kinder, mit dem man bis zu einem Meter hoch fliegen konnte – wie es Kai-Uwe von nebenan hatte. Ich verstand das, denn ich hatte schon sehr früh ein großes Gespür für die Nöte und Sorgen der Menschen um mich herum. Dennoch begriff ich nicht, wieso Kai-Uwe dieses Spielzeug haben durfte, obwohl es die meiste Zeit ungenutzt im kleinen Garten hinter dem Haus lag. Wenn er doch einmal damit spielte, war es noch schlimmer mit anzusehen. Er konnte überhaupt nicht damit umgehen. Nicht einmal die maximale Flughöhe erreichte er, immer blieb er knapp über dem Boden hängen. Der Besen bockte regelrecht, wenn Kai-Uwe aufstieg. Kein Gefühl, kein Gespür für Holz, Borsten und Aerodynamik. Und kein Vergleich zu meinen Versuchen.

Ich mochte Kai-Uwe nicht besonders – abgesehen davon, dass er nicht fliegen konnte, war er auch sonst langweilig und einfallslos. Doch ich blieb mit ihm befreundet, denn ungefähr einmal die Woche durfte ich auf seinen Besen steigen. Das waren die besten Stunden meines jungen Lebens. Ich holte das Maximum aus dem kleinen Spielzeug heraus, flog Schleifen, Zickzack und beschleunigte, soviel es das Teil zuließ. Manchmal, wenn Kai-Uwe gut drauf war, warf er mir dabei Bälle zu. Ich fing sie mit atemberaubendem Geschick. Leider wurde Kai-Uwe dieses Spiel bald langweilig. Kein Wunder, er war schließlich nicht ansatzweise so gut wie ich. Dies schien jedoch keine Bewunderung, sondern Neid in ihm zu wecken. Bald wollte er nicht mehr mit mir spielen und mir nicht einmal seinen Besen leihen. Das frustrierte mich, denn es war die einzige Möglichkeit für mich, zu fliegen. Eines Tages, Kai-Uwe war mit seinen Eltern unterwegs, schlich ich mich heimlich in seinen Garten und borgte mir den Besen. Es war ein herrliches Gefühl. Ich genoss jede Sekunde und legte den Besen anschließend widerwillig zurück. Doch anscheinend schien Kai-Uwe Verdacht geschöpft zu haben. Denn am nächsten Tag lag der Besen zerbrochen auf der Terrasse, so, dass ich ihn von unserem Garten aus gut sehen konnte.

Ich redete nie wieder ein Wort mit Kai-Uwe.

Eine Antwort auf Exclusive! – First Abstract of Krawuttke’s Autobiography

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.